Fussball gucken in 3D: Wir habens getestet!
Kommts jetzt, kommts nicht? Lange schien es, als würde nichts werden aus der gross angekündigten Übertragung von WM-Spielen in 3D in die Kinos dieser Welt. Doch das eine oder andere Kino schaffte es mittlerweile doch noch - und wir haben das neue Erlebnis für euch bem Halbfinale Uruguay gegen Holland getestet!
Ort des Geschehens war das Pathé-Kino im Westside-Zentrum in Bern. Die beiden Halbfinale und das Finale werden dort in drei Dimensionen gezeigt, wie auch an verschiedenen anderen Orten in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Wie in guten, alten Pionierzeiten
Man kann sich ja schon ausmalen, wie man den Enkelkindern einst erzählen wird, wie man mit dabei war, als zum ersten Mal ein Sportereignis in 3D in der eigenen Stadt übertragen wurde. Entsprechend wie zu Pionierzeiten zeigten sich auch die Kinderkrankheiten der Neuheit: Abwechselnde Bild- und Tonausfälle (von BBC übrigens) prägten den Anfang des Spiels - und eine gewisse Ernüchterung machte sich breit, da der 3D-Effekt irgendwie gar nicht zu sehen war. Ob die von einigen in den Saal mitgebrachten Vuvuzelas für das Realitätsgefühl reichen mussten?
Doch was zuerst wie ein schlechter Scherz tönt brachte Abhilfe: Die 3D-Brille musste kopfüber auf die Nase gesetzt werden, da aus unerfindlichen Gründen das Bild für das linke und rechte Auge vertauscht an die Leinwand projiziert wurde. Staunend versank man dann doch in der Welt der dritten Dimension. Ein Problem, das nach der Halbzeit dann behoben war.

Eine 3D-Kamera in Aktion (Foto: ESPN)
Der Blick aus dem Gully
Wenn man es nie gesehen hat, kann man sich nur schwer vorstellen, wie ein Fussballspiel in 3D aussehen könnte. Doch eigentlich ist es ganz einfach und doch faszinierend. Das Spielfeld kommt nicht nach vorne zum Zuschauer hin, sondern erstreckt sich nach hinten in die Ferne. Das Gefühl, aus einem Kasten auf natürliche Weise ins echte Stadion hineinzuschauen kommt auf.
Seine Stärken besonders ausspielen kann die 3D-Darstellung bei ruhigen Szenen mit Blick aufs Spielfeld auf Brusthöhe von der Seitenlinie oder hinter dem Tor her, ohne Kameraschwenk oder Zoombewegung. Man fühlt sich mitten im Geschehen, wie aus einem Gully hervorspionierend und ertappt sich sogar dabei, dass man sich etwas auf die Seite bewegen möchte um vom kommenden Freistoss nicht getroffen zu werden.
Diesem Effekt sind sich die Produzenten durchaus bewusst. Gezeigt werden nämlich nicht dieselben Bilder wie in der normalen Fernsehübertragung. Es sind viel mehr Szenen vom Spielfeldrand her zu sehen anstatt von der erhöhten Überblickssicht aus. Zweikämpfe wirken plastisch, schmerzhafte Szenen umso schmerzhafter und hie und da lässt sich im Gegensatz zum gewohnten Fernsehbild ganz gut erkennen, dass ein Ball über die Linie hinausfliegen wird.
Interessanterweise stechen einem auch vermehrt Details ins Auge, die sonst eher unbeachtet bleiben: Die Balljungs, die deutlich näher als die Spieler stehen. Oder ein Fan im Hintergrund, der durch sein Winken auffällt. Wie im Stadion ist auch das Geschehen nebem dem Spielfeld Teil des Ereignisses.
Ein Erlebnis mit Potential
Kein Zweifel, dass das Spiel zwischen Holland und Uruguay spannend und torreich war machte die 3D-Erfahrung umso spannender. Das war vielleicht auch gut so, denn in einem langweiligen Match hätte man zuviel Möglichkeiten gehabt, sich auf die technischen Mängel zu konzentrieren:
Die Bildrate ist für Sportübertragungen eher etwas langsam, was scharfe Bilder bei raschen Bewegungen unmöglich macht und den Bildrändern sind oft Verdoppelungen zu sehen. Dies kann störend wirken, nimmt man aber zum jetzigen Zeitpunkt noch in Kauf.
Das Fazit: Sportanlässe in 3D zu sehen hat durchaus Zukunft. Obs im privaten Wohnzimmer der Fall sein wird ist eher fraglich. Doch als neuer Standard für Public Viewings könnte es Chancen geben. Und so einen komplett neuen Geschäftszweig eröffnen: den der stylishen 3D-Brillen.
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